Straßenhaus - die naturverbundene Gemeinde
1000-jährige Eichen, wie z.B. die von Ivenack in Mecklenburg- Vorpommern, sind durchaus keine Seltenheit, wenn nur der Zahn der Zeit an ihnen nagen würde.
Aber Kriegseinwirkungen durch Artilleriebeschuss und Brandbomben im 2. Weltkrieg haben die alten Eichen von Straßenhaus sehr stark beschädigt.
Es ist mehr als fraglich, ob das, was dadurch übrigblieb, jemals die Jahreszahl 1000 erreichen kann. Die Bäume sind hohl und ihre dünne äußere Holzschicht macht sie instabil und verhindert optimales Wachstum. Auch die Kronenausbildung ist sehr stark geschädigt.
Die Einhaltung der Verkehrssicherungspflicht hat an diesem exponierten Platz leider schon einige Opfer gefordert, was mitten im Wald nicht unbedingt erforderlich gewesen wäre.

Das starke Zurückschneiden der Kronen und Stämme vor einigen Jahren, das viele Kritiker auf den Plan rief, hat den Bäumen gut getan. Starkes Austreiben neuer Äste und Kronenteile ist heute an allen alten Eichen zu sehen. „Bonsaiformen" haben sich entwickelt. Wünschen wir, dass auch kommende Generationen sich noch lange an diesem einmaligen Anblick, ohne Schaden zu nehmen, erfreuen können.
Das nichts ewig lebt, wussten unsere Vorfahren vor etwa 100 Jahren auch schon. So planten sie damals Ersatzpflanzungen. Vermutlich sind Sprachschwierigkeiten der Grund für die Auswahl der falschen Baumart auf diesem tonhaltigen Boden.
Sicher sollten Eichen nachgepflanzt werden, weil nur sie mit ihrer Pfahlwurzel diese wasserundurchlässige Tonschicht durchwurzeln können. Eichen im Dialekt „Eeschen" klingt im Hochdeutschen wie Eschen. So hatte jemand, nur der hochdeutschen Sprache mächtig, die Eschen auf den Marktplatz von Straßenhaus gebracht.
Leider sind die meisten auf dem für sie falschen Standort schon abgestorben und gefällt.
Auch die restlichen Eschen haben keine lange Lebensdauer mehr. Schade, es waren schon stattliche Bäume, wenn auch keine Eichen. Ende der 50er Jahre im vorigen Jahrhundert hat der damalige Bürgermeister von Niederhonnefeld, Fritz Krämer aus dem Märkerwald in Feldkirchen ca. 15- bis 20-jährige „Eichen-Heister" (2-3 Meter hoch) geholt und in der Nähe des alten Forsthauses gepflanzt. Sie entwickelten sich prächtig, standen aber später viel zu dicht. Anfang der 70er Jahre hat dann die Forstverwaltung mit einem schweren Bagger acht Stück ausgegraben und an sog. Fehlstellen den alten Baumbestand ergänzt.
Auch diese Aktion war ein voller Erfolg, wie heute noch jedermann sehen kann. In den letzten Jahren wurden der Gemeinde zum Jubiläum noch einige jüngere Eichen vom Heimatund Verschönerungsverein und vom Neuwieder Landrat gestiftet.
Mittlerweile gedeihen auch sie prächtig. Für diesem Standort ungeeignete Bäume und Sträucher wie Fichten, Blaufichten, Rotdorn und Rhododendron wurden nach und nach entfernt. Es sollte nie wie nach einem Kahlschlag aussehen. Baumpflege und -erhalt werden dafür sorgen, dass der Baumbestand auf dem Marktplatz von Straßenhaus die Bürger und die Besucher, nicht zuletzt am Jahrsfelder Markt, noch einige Jahrhunderte erfreuen wird.
Hans-Ludwig Hilgers






