Optisch mechanischer Telegraf
Der Telegraf im Wappen der Ortsgemeinde Straßenhaus erinnert daran, dass Straßenhaus eine Station der optisch-mechanischen Telegrafenlinie Berlin-Köln-Koblenz gewesen ist.
Diese Telegrafenlinie wurde in den Jahren 1832 und 1833 gebaut und diente zunächst nur dem preußischen Generalstab zur Nachrichtenübermittlung, dann ab 1835 auch der Verwaltung des Innern und der Polizei.
Die Anlage wurde auf der Strecke Berlin-Köln 1849 und auf der Strecke Köln-Koblenz 1852 durch die drahtgebundene elektromagnetische Telegrafie abgelöst.
Bis 1842 hatte die optisch- mechanische Telegrafenlinie 61, von da an 62 Stationen. Der Abstand von Station zu Station richtete sich nach der Fernrohrsichtweite, war naturgemäß sehr unterschiedlich und betrug im Durchschnitt 11,3 km.
Alle Stationen standen in exponierter Lage, der Telegraf jeweils auf einem Turm. Nur bei freiem Himmel als Hintergrund und bei klarer Sicht waren die gestellten Zeichen erkennbar. Hauptteil des Telegrafen war ein Mastbaum aus Fichten- oder Tannenholz, der 6,30 m über den Turm hinausragte.
Der Telegrafenmast trug sechs, paarweise angeordnete und einzeln bewegliche Flügel mit einer Länge von Jeweils 1,74 m und einer Breite von 0,33 m. Die Flügel waren über Seilzüge mit dem Wachzimmer verbunden und konnten von hier als Zeichen eingestellt werden. Dabei ließ sich jeder Flügel mit den Winkeln 45 Grad, 90 Grad und 135 Grad einstellen.
Jede Stellung hatte die Bedeutung einer bestimmten Zahl. Durch Kombination der Zahlen auf drei Ebenen konnten über 4000 Zeichen dargestellt werden, die nach einem Code-Buch zu entschlüsseln waren.
Die mittlere Geschwindigkeit für die Durchgabe von Zeichen soll bei 1 1/2 Zeichen je Minute gelegen haben. Bekannt ist, dass zum Beispiel am 17.März 1840 eine dreißig Wörter lange Depesche von Berlin nach Köln 1 1/2 Stunden benötigte.
Pro Tag wurden, günstiges Wetter vorausgesetzt, bis zu sechs Depeschen telegrafiert.
Straßenhaus war Standort der Station Nr. 57. Benachbart waren die Station Nr.56 in Manroth (Nähe Bertenauer Kopf) und Nr. 58 bei Anhausen.
Die Station Straßenhaus war mit zwei Telegrafisten besetzt. Namentlich nachweisbar ist der Königliche Obertelegrafist Bilgenroth und der Königliche Untertelegrafist Friedrich Ernst Müßig.
Ferner ist 1837 in einem kirchlichen Register der Königliche Telegrafist Johann Gottlob Mertgen erwähnt. Das Stationsgebäude in Straßenhaus ist nur teilweise erhalten.
Es ist das Haus Hauptstraße 23 (heute Haus Gensler), das nach mehrfachem Umbau nur noch Reste seiner einstigen Zweckbestimmung erkennen lässt, so das Treppenhaus als Rest des Turmes.
Die ehemalige Telegrafenstation ist eines der ersten Häuser der Ansiedlung „Straßenhäuser", wie sie in einer Übersichtskarte von 1835 genannt ist. Das Gebäude wurde 1852/53 von Karl Reinhard erworben, der dann „auf dem Telegraphen" wohnte.
Später wurde es an David Reinhard veräußert. 1884 ging es in das Eigentum von Karl Anhäuser aus Ellingen über, der es an seinen Sohn Christian Anhäuser („Schmedde-Chrest" – Christian der Schmied) vererbte.
Im November 2001 hat der Heimat- und Verschönerungsverein, nach langwierigem Genehmigungsverfahren, einen neuen „symbolisierenden" Telegrafen am Ortseingang von Straßenhaus (von der Autobahn kommend) aufgestellt.






