Turnverein Honnefeld e.V. Straßenhaus besteht 90 Jahre

Am 4. 7. 1920 gründeten in Oberhonnefeld 7 Männer den nach dem dortigen Kirchspiel benannten Turnverein Honnefeld (siehe nebenstehendes Gründungsprotokoll).

Aller Anfang war schwer. Das Geld war knapp. Versammlungen fanden monatlich statt,

Regelmäßiger Tagesordnungspunkt war Hebung von laufenden und rückständigen Beiträgen. Sportgeräte waren keine vorhanden, und so lieh man Barren, Pferd oder Reck von Nachbarvereinen aus, um erste turnerische Übungen zu vollziehen. Üblich war auch das sogenannte Pyramidenstellen, wozu man lediglich standfeste und gleichgewichtsgeübte Turner, die auf einer Stehleiter in Viererreihen übereinander schwebten, benötigte. Diese Pyramiden wurden bei festlichen Anlässen und Hochzeiten von Mitgliedern in den Abendstunden bengalisch beleuchtet bis 1967 präsentiert. Es war eine Ehre, wenn man zur grünen Hochzeit eine Pyramide der Turner gestellt bekam.

Ein Stab für Stabhochsprung war die 1. Turngeräteanschaffung des Turnvereins. Am 23.1.1921 beschloss man zur Beschaffung eines Barrens die damalige Darlehenskasse um ein Darlehen in Höhe von 800 Mark zu bitten. Zur Anhebung der finanziellen Ressourcen veranstaltete man Sommerturnen inkl. Pyramidestellen mit Konzert und Ball- sowie Groschenmusik.

Im Protokoll einer Mitgliederversammlung vom 22.2.1922 heißt es unter Punkt 4 wörtlich:

„Der alte Turnverein wird gebeten, sein Vermögen dem jetzigen Turnverein zu überweisen".

Es muss also schon vorher turnerische Zusammenschlüsse im Kirchspiel Honnefeld gegeben haben.

Ungefährlich war das Turnen nicht: Punkt 2 einer Mitgliedersammlung: „Es wird beschlossen, dem Turnverein Höhr 200 Mark für den Unglücksfall des Turners Gilles zu überweisen" Was war geschehen? Trotz geringer Eigenmittel zeigte man Solidarität mit einem Nachbarverein.

Am 27.3.1924 führte man einen sogenannten Staffettenlauf durch. Ob selbiger wohl mit unserem in den letzten Jahren praktizierten Staffellauf der sporttreibenden Vereine aus Straßenhaus vergleichbar ist?.

Geturnt wurde Donnerstagabend und Sonntagmittag. Die heutige Männerabteilung trifft sich übrigens immer noch donnerstags, und gilt als die älteste bestehende Gruppe im TVH.

Am 15.5.1926 beschloss man erstmals eine Aufstellung der Turngeräte in Straßenhaus, wohl wegen der dort eher vorhandenen größeren Räumlichkeiten (Tanzsäle) in Gaststätten und wegen der Möglichkeit von Lauftraining auf der damaligen Landstraße und heutigen B 256.

Die offizielle Sitzverlegung des Vereins nach Straßenhaus wurde allerdings erst im Protokoll vom 20.10.1935 unter Punkt 2 vermerkt.

Gauturn- und Bezirkssportfeste wurden besucht, sowie immer wieder Bälle mit Schauturnen und musikalischer Umrahmung zwecks Aufbesserung des Kassenbestandes organisiert.

Auch in den 30er Jahren blieb der Verein arm und bescheiden, allerdings auch unternehmungslustig. 1929 und in den ersten 30er Jahren unternahm man mehrtägige Wanderfahrten und Radtouren durch das deutsche Land. Es existieren erwähnenswerte, poetisch formulierte, mehrseitige Berichte folgender Fahrten, die am 4.7.2010 im Eingangsbereich der Turnhalle in Form einer umfangreichen, historischen Dokumenten- und Fotoausstellung gelesen werden können. Protokollbuchtitel sind:

„Die Neckarfahrt Pfingsten 1929". (18.-21.5.1929)

„Ins Thüringerland Pfingsten 1930". (7.-11.6.1930)

„Mit dem Fahrrad nach Süddeutschland" (23.-31.5.1931)

„Frohe Fahrt in den Frühling"

(14.-18.5.1932 in die Eifel und an die Mosel)

Am 10.8.1930 gründeten 9 Damen die erste Damenriege, welche jedoch am 31.3.1935 vorerst

wieder aufgelöst wurde. Ab 1951 wurde sie unter Federführung des SV Ellingen wieder aktiv und ist bis heute die zahlenmäßig größte Erwachsenenabteilung des Vereins.

Schwierige Zeiten schlossen sich den schönen Erlebnissen der Ausflüge an.

Protokoll vom 12.1.1936 (wörtlich): „Der Kassenbericht ergab, dass die Kasse mit dem Sparguthaben auf 15 Reichsmark zusammengeschrumpft ist. Der Mitgliederbestand beträgt 30 Mann einschl. Ehrenvorsitzendem".

Aus finanziellen Gründen beschloss man die Abmeldung aus dem deutschen Turnerbund und dem Reichsbund, turnte aber dennoch munter weiter.

Es sollte noch schlimmer kommen: Aus Vorstandsmitgliedern wurden Führer.

Protokoll Jahreshauptversammlung 17.1.1937: Anwesend waren 8 Mitglieder.

Der Kassenbericht fehlte. Vereinsführer Juhn hält Vor- und Rückschau und stellt wörtlich fest: „Der Verein hat aktiv einen Stillstand."

Am 18. Mai 1939 unternahmen die Mitglieder eine letzte Wanderfahrt mit dem Omnibus über den Hunsrück, Bad Kreuznach nach Bad Münster am Stein und zurück am Rhein entlang. Wörtlich übernommen aus dem Protokollbuch: „Frohe Stunden im ,Alten Haus' zu Bacharach, welch schöne Erinnerung."

Wenige Monate später begann der 2. Weltkrieg und der Verein hörte auf, zu bestehen, da fast ausnahmslos alle Mitglieder eingezogen wurden. Das Protokollbuch beinhaltet ein Ehrenblatt der gefallenen und vermissten Turnbrüder. Leider sind die Geburtsdaten unvollständig.

Erst seit 1949 bestehen wieder Aufzeichnungen über die Vereinsaktivitäten. Da die Turnvereine von den Besatzungsmächten verboten waren, traten die verbliebenen Mitglieder des Turnvereins Honnefeld als Turnabteilung dem Sportverein Ellingen bei. Fußball und Handballspielen war erlaubt. So spielten am 8.8.1949 in Straßenhaus 3 Damenhandballmannschaften und 9 Fußballmannschaften im Rahmen eines Sportfestes. Am Vortage jedoch, anlässlich des Festkommerses im Saale Reinhard, turnten neben dem SV Heddesdorf auch bereits wieder eine Damen- und eine Herrenriege unseres Turnvereins, heimlich, still und leise, aber mit Musik.

Am 3.3.1955 stimmte eine Mitgliederversammlung des SV Ellingen dem Austritt der Turnerabteilung zu. Damit war die Wiedergründung des Turnverein Honnefeld beschlossen.

Die 1. Bestandserhebung zum 1.4.1955 ergab: Jugendliche 14-21 Jahre: 7 Jungen und 7 Mädchen sowie 6 Männer und 2 passive Mitglieder. Insgesamt also 22 Mitglieder.

Ein erneut bescheidener Neuanfang. Man turnte weiter in Räumlichkeiten der Straßenhäuser Gastronomie sowie unter den Eichen am Marktplatz und lief auf der heutigen B 256 in Richtung Rengsdorf. Anfang der 60er Jahre wurde der Ruf nach einer Turnhalle in Straßenhaus lauter, doch die Eröffnung der kleinen Turnhalle an der Schule ließ noch bis 1.3.65 auf sich warten. Damit begann dann allerdings eine bemerkenswerte Mitgliederentwicklung. Waren es in den Jahren von 1955 bis Anfang 1965 kaum mehr als 50 Aktive, so wuchs der Aktivenbestand im Eröffnungsjahr der kleinen Turnhalle bereits auf über 200 Mitglieder an. 1994 überschritt der Bestand die 300er-Marke und seit 2003 sind über 400 Personen Mitglied. Aktueller Bestand per Heute: 428 Personen.

Ende 1965 waren auch bereits 3 Damen und 2 Turnbrüder im Besitz einer sogenannten LSB-Lizenz und betreuten die Mitglieder. „Wir haben eine Verpflichtung sowohl gegenüber der Jugend als auch aufgrund des Neubaues von Turnhalle und Sportplatz" formulierte der damalige Vorstand in einer Vereinsmitteilung am 10.12.1965.

In den folgenden Jahrzehnten wurden Abteilungen verschiedenster Fachrichtungen und Sportgruppen gebildet, Kurse abgehalten und gesundheitliche Fortbildung angeboten. Alles hier aufzuführen würde den Rahmen dieses Berichts erheblich sprengen. Alle Mitglieder und interessierten Bürger haben jedoch am 4. Juli 2010 die Gelegenheit, die Aktivitäten der späteren Jahre bis

in die heutige Zeit der Foto- und Dokumentenaussstellung zu entnehmen.

Besonders bedeutungsvoll für unseren Turnverein war die Eröffnung der Sportanlage am Sportplatz mit Tartanbahn, Sprunggrube und Kugelstoßring im Mai 1994. Wir gründeten Leichtathletikgruppen für Kinder und Jugendliche und die jährliche Abnahme des Deutschen Sportabzeichens wurde nun auch für Erwachsene möglich und wird seit 1993 mit ständig wachsender Teilnehmerzahl regelmäßig praktiziert. Absolut optimiert wurden jedoch die gymnastischen und sportlichen Möglichkeiten für unseren Verein durch die Eröffnung der schönen, neuen Großturnhalle an der Niederhonnefelder-Straße im Jahre 2003. Zeitgleich können nun durch eine mögliche Raumtrennung in der Hallenmitte jeweils 2 Gruppen trainieren. Die soziale und gesellschaftliche Verpflichtung gegenüber Kindern und Jugendlichen aus dem Jahre 1965 aufgreifend, betreuen heute 3 Übungsleiterinnen und ein Übungsleiter über 160 Kinder und Jugendliche in den Bereichen Mutter-Kindturnen, Kinderturnen, Korbball und Leichtathletik in mittlerweile 10 Sportgruppen.

Zwei Damen- und eine Herrengymnastikgruppe haben derzeit 62 Aktive, und in 3 weiteren Gruppen für Erwachsene werden Korbball, Völkerball und Volleyball gespielt. Ferner existieren zwei Stepp-Aerobic-Gruppen und eine Paartanzabteilung.

54 Senioren/innen stehen zwei Übungsleiterinnen in den Gruppen „Fit ins Alter", „Osteoporose-Gymnastik" und „Seniorentanz" zur Verfügung.

Insgesamt betreuen 11 Übungsleiterinnen und Übungsleiter die Mitglieder in 22 Sport- und Turngruppen. Eine komplette Übersicht über die Altersklassen (Kinder, Jugendliche) der Gruppen sowie der zuständigen Übungsleiter/innen und der wöchentlichen Trainingsstunden kann ebenfalls einer Schautafel entnommen werden.

Der „Tag der offenen Tür" in der Turnhalle und auf dem Sportplatzgelände beginnt mit vielen Vorführungen und einem umfangreichen Erlebnisprogramm (Spielmobil, Sporttest usw.) für Kinder um 10.30 Uhr.

Für das leibliche Wohl ist gesorgt. Eine Tombola für soziale Zwecke örtlicher Einrichtungen verspricht ansprechende Losgewinne (erster Preis ist ein Fahrrad).

Wir freuen uns auf viele Besucher am Sonntag, dem 4. Juli 2010 an unserem Jubiläumstag.

Heinz Kingler


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