Die Schiefergrube „Adamsglück“ im Jahrsfelder Gemeindewald
Dienstag, den 03. August 2010 um 12:04 Uhr
Nach dem Zerkleinern der größeren Gesteinsblöcke erfolgte das Spalten auf brauchbare Stücke und das Zurichten in geeignete Größen. Die Schieferplatten oder „Leien", wie sie im Dialekt genannt werden, wurden in Reihen aufrecht nebeneinander gesetzt und in „Reis" gemessen. Ein solches „Reis" hatte die Länge von etwa 2,40 Meter. Pferde- oder Ochsenfuhrwerke übernahmen den Abtransport.
Schiefer wurde maßgeblich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem wichtigen Baustoff, als auch bei den einfacheren Häusern das Strohdach aufgrund seiner Feuergefährlichkeit behördlicherseits verboten und durch das Schieferdach verdrängt wurde.
Vom Schieferabbau in der Gemarkung Jahrsfeld erfahren erstmals 1859. Für die Aufstellung des Bergwerkszehnten wurde damals verzeichnet, dass 31 Reis Dachschiefer in der Grube „Adamsglück" gefördert worden waren. Der mit zwei kleinen Stollen ausgerichtete Grubenbetrieb hatte seinen Standort am Jahrsbach und zwar dort, wo der geteerte Weg nach Niederraden abzweigt. Für das vierte Quartal 1860 wurde Adam Petmecky aus Rüscheid als Zahlungspflichtiger für den Bergwerkszehnten der Grube Adamsglück aufgeführt. Somit musste er ein Zehntel vom Erlös des abgebauten Dachschiefers an den Fürsten zu Wied, der die Bergrechte besaß, entrichten. Offenbar hatte Adam Petmecky diese Grube „gemutet", d. h. ihm waren als Finder die Abbaurechte erteilt worden und infolgedessen erfolgte die Namensvergabe in Anlehnung an seinen Vornamen.
(Quelle: FWA 21-1-7.)
Am 25. Februar 1880 wurde zwischen dem Bürgermeister Daub von Bonefeld und Vorsteher Puderbach von Jahrsfeld, handelnd für die Gemeinde Jahrsfeld, einerseits, und dem Adam Petmecky von Rüscheid ein Vertrag bzgl. der bergbaulichen Nutzung im Jahrsfelder Gemeindewald abgeschlossen. Adam Petmecky erhielt die Berechtigung, ab dem 1. April 1880 für eine Dauer von 30 Jahren, Dachschiefer abzubauen. Diese bezog sich vornehmlich auf den unterirdischen Bau. Zu allen Tagebauten außerhalb der festgelegten Fläche bedurfte es einer gesonderten Genehmigung.
(Quelle: Gemeindearchiv Straßenhaus.)
Diese Verpachtung ist insofern merkwürdig, indem man eine außergewöhnlich lange Pachtdauer vereinbarte. Jedenfalls verlautete 1891, dass das Grubenfeld „Adamsglück" bei Jahrsfeld zum Besitz von Hermann Schieffer in Deutz gehörte.
Für die Anfertigung der Grubenpläne („Situationszeichnungen der bergbaulichen Grubenbetriebe in der Gemeinde Jahrsfeld") zeichnete der in Jahrsfeld wohnende Grubenverwalter August von der Heyde, der auch dem dortigen Gemeinderat angehörte, verantwortlich.

„Situations-Zeichnung von den durch bergbaulichen Betrieb der Gruben Carl und Hommer in der Gem. Jahrsfeld dem L. C. Corty in Köln gehörend" – aufgenommen im Juni 1870 durch August von der Heyde
(Johann) August von der Heyde wurde am 16. Februar 1827 in Ballersbach, Amt Herborn, geboren. Am 15. Februar 1870 verheiratete er sich in Oberhonnefeld mit Karoline Sauer, geboren am 28. Februar 1837 in Raubach (gest. 23.4.1925 in Jahrsfeld), Tochter des verstorbenen Obersteigers Georg Sauer und Helene Katharina Hoffmann, die als Näherin in Jahrsfeld wirkte. Der in zahlreichen Bergwerksakten begegnende Grubenverwalter August von der Heyde verstarb am 9. August 1906 in Jahrsfeld.
Seine unverheiratete Tochter Emma, geboren am 16.3.1877 zu Jahrsfeld, erteilte an der Schule zu Jahrsfeld und ab Oktober 1931 an der neuen Schule zu Straßenhaus den Handarbeitsunterricht. Am 19. November 1933 verlautete, dass „Fräulein von der Heyde nach 15 Jahren den Handarbeitsunterricht beendete."
Das ehemalige Anwesen der Familie von der Heyde in der Jahrsfelder Brunnenstraße (Hausnummer 26) wird heute noch von den Alteingesessenen mit „Von de Heyds Emma" bezeichnet.

Das ehemalige Anwesen der Familie von der Heyde in der Jahrsfelder Brunnenstraße
Arno Schmidt, Rüscheid
HK-02-2010






